Rundgang durch Neubiberg

Egal, aus welcher Richtung man sich der Gemeinde Neubiberg nähert, man wird immer eine andere Sicht auf die Geschichte und das Leben in der Gemeinde bekommen. Und wenn auch jede einzelne Perspektive typisch für die hiesigen Verhältnisse ist, so bildet doch erst das komplette Ensemble das, was die Gemeinde Neubiberg heute ausmacht.

 

Aus Norden kommend

 

Im Norden grenzt die Gemeinde fast über die Gesamtlänge ihrer Ost-West-Ausdehnung (6,2 km) an das Stadtgebiet München. Auf der Staatsstraße 2078 München-Rosenheim aus Richtung Norden kommend, erreicht man zunächst das einstige Flughafengelände und die Universität der Bundeswehr. Während die Alte Rosenheimer Landstraße eine 90-Grad-Kurve um das Ende der ehemaligen Landebahn macht, wird der Durchgangsverkehr in Richtung Süden seit Dezember 2002 auf der Westumfahrung unter der alten Landebahn durchgeleitet. Unmittelbar vor der Einfahrt in den Tunnel ist rechts der Gemeindefriedhof zu sehen. Auf der gegenüberliegenden Seite erstreckt sich das neue Wohngebiet „Auf der Heid“, das erst in jüngster Zeit entstand.

 

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Zum Stadtkern

 

Biegt man links auf die Äußere Hauptstraße ein, die auf das Bahngleis zuführt, so passiert man eine Siedlung, die Ende der 1930er Jahre für die höheren Militärangestellten des Fliegerhorsts gebaut wurde. Damit ist bereits ein zentraler Aspekt angesprochen, der das Leben in der Gemeinde über viele Jahrzehnte prägte: der Flugplatz, mit dessen Bau 1933 begonnen und der 1935 in Betrieb genommen wurde, durchschnitt die Gemeindeflur in der Mitte und trennte damit das Jahrtausende alte Mutterdorf Unterbiberg von der erst um 1900 entstandenen Siedlung Neubiberg ab.

 

Die Geheimhaltungsrichtlinien des Militärs verbannten die einheimische Bevölkerung aus dem gesamten Flugplatzareal, ein weiterer Grund für die unterschiedliche Entwicklung der beiden Gemeindeteile. Daran änderte sich auch nach dem Ende des Dritten Reiches lange nichts. Nach Kriegsende übernahm die US-Luftwaffe das Gelände, ehe der Flugplatz 1958 wieder unter deutsche Verwaltung gestellt wurde. Auf einem Teil des Flugplatzgeländes öffnete 1973 die Hochschule der Bundeswehr München ihre Pforten.

 

Erst im Oktober 1997 haben sich die Bürger der Gemeinde nach jahrelangem Ringen um die Einstellung des Flugbetriebs in Neubiberg das Flughafengelände mit einer einzigartigen Bürgerinitiative namens „Flugstopp“ zurückgeholt. Durch die Erschließung neuen Baulands („Auf der Heid“) und die Anlage des großen Landschaftsparks Hachinger Tal auf dem ehemaligen Flugplatzgelände sowie den Bau verbindender Rad- und Fußwege wächst Unterbiberg und Neubiberg zusammen.

 

Der Blick von Waldperlach

 

Kommt man aus nordöstlicher Richtung über Waldperlach nach Neubiberg, so kann man ebenfalls sofort ein Charakteristikum Neubibergs in Augenschein nehmen: den Gartenstadtcharakter der Siedlung, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem ebenso rührigen wie geschäftstüchtigen Münchner Bauunternehmer unter dem Motto „Zurück zum Walde!“ auf dem Reißbrett entworfen und in Kooperation mit einigen ansässigen Grundbesitzern realisiert wurde. Ehe man zum Rathaus im Ortszentrum vordringt, dessen Architektur unverkennbar auf die 1930er Jahre verweist, kann man immer wieder kleine Siedlungshäuschen entdecken, die auf einer Grundstücksparzelle stehen, deren Größe die Haltung von einigen Ziegen oder Hühnern und die Anlage eines größeren Nutzgartens erlaubte, so wie es in Neubibergs Anfängen um die Jahrhundertwende praktiziert wurde.

 

Ottobrunn als Nachbar

 

Aus der entgegengesetzten Richtung, von Süden her kommend, grenzt Neubiberg an die Gemeinde Ottobrunn. Obwohl die Siedlung Ottobrunn etwa zur gleichen Zeit entstand wie Neubiberg und die Gemeinden in ihrer heutigen Ausdehnung annähernd gleich groß sind, hat sich Ottobrunn ganz anders entwickelt. Hier spielt sich das Leben entlang der Rosenheimer Landstraße ab, die mitten durch den Ort führt. Dazu kommt die lange Tradition Ottobrunns als Zentrum von Forschung und Entwicklung. 

 

Im Gegensatz zu Ottobrunn spielte die Industrie in Neubiberg in der Vergangenheit kaum eine Rolle. Der größte Industriebetrieb, das „Ara-Imperium“ (Textilfabrik), hat seine goldenen Zeiten längst gehabt, und auch der älteste Betrieb Neubibergs, die sogenannte Ölfabrik direkt am Bahngleis, die in den 1920er Jahren Kurtinöl produzierte, ist längst Geschichte. Wo heute ein großer Verbrauchermarkt steht, hatte der Reisende von Süd nach Nord bis Mitte der 70er Jahre freie Sicht auf das charakteristische Bahnhofsgebäude. Das stattliche Haus wurde 1914, zehn Jahre nach der Inbetriebnahme des „Haltepunkts Neubiberg“, erbaut. Das Hauptgebäude ist in seiner ursprünglichen Form erhalten und steht heute unter Denkmalschutz. Damit ist ein zweites Spezifikum der Geschichte Neubibergs angesprochen: die verkehrsgünstige Lage an der Bahnlinie zwischen München-Ostbahnhof und Aying, die die Entwicklung des Ortes erheblich beschleunigte und Neubiberg in Vergangenheit und Gegenwart attraktiv machte.

 

Die intensive Bebauung des Gemeindegebiets setzte dennoch erst verspätet ein, was bei einer Annäherung an Neubiberg von Osten sofort offensichtlich wird. Hier fallen die in den späten 1960er und insbesondere in den 1970er Jahren entstandenen Wohnsiedlungen ins Auge, z. B. zwischen Hauptstraße und Putzbrunner Straße oder Putzbrunner Straße und Cramer-Klett-Straße. Die durchweg niedrige, meist zweigeschossige Bauweise, war wegen des örtlichen Flugbetriebs vorgeschrieben.

 

Vom Fasanenpark im Westen

 

Schließlich die Annäherung an Neubiberg von Westen her: Auf dem großen „Kapellenfeld“ zwischen dem S-Bahnhof Fasanenpark und der Unterhachinger Straße befindet sich seit 2006 die neue Unternehmenszentrale der Firma Infineon Technologies GmbH „Campeon“, neben der Universität der Bundeswehr ein weiteres Zeugnis für die zunehmende Bedeutung der Gemeinde als Standort für Wissenschaft und Hochtechnologie.

 

Diesseits der Unterhachinger Straße trifft man schließlich auf den alten Mittelpunkt der Gemeinde – das Dorf Unterbiberg, dessen Dorfkern sich über die Jahrhunderte kaum verändert hat. Den Dorfmittelpunkt bildet das barocke St.-Georgs-Kirchlein mit dem Friedhof, ganz in der Nähe fließt der Hachinger Bach – eine Lebensader für die frühere Bevölkerung. Die ehemalige Rossschwemme ist noch gut erkennbar, und hier stehen auch die ältesten und größten Anwesen: der Zehetmairhof, das Schmiedanwesen und der ehemalige Moarhof, das Finck‘sche Gut, das auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Größe des Guts ist nach wie vor imposant, man kann sich gut vorstellen, wie das Leben hier einmal pulsierte.

 

Auf dem Weg vom „Mutterdorf“ Unterbiberg zum jüngeren Ortsteil Neubiberg wird man durch das etwa 33 Hektar umfassende Wohngebiet „Vivamus-Park“ geleitet, das seit Anfang der 90er Jahre entsteht und knapp ein Dutzend verschiedener Wohnkonzepte für unterschiedlichste Ansprüche vereinigt. Ehe man wieder auf die Äußere Hauptstraße, den Ausgangspunkt unserer „Annäherungen an Neubiberg“ gelangt, passiert man den Unternehmenssitz der Firmen Emerson Network Power (ehemals Force Computers/Motorola) und Lantiq an der Lilienthalstraße. Emerson bietet Softwareentwicklung und spezielle Hardwarelösungen für die Bereiche Telekommunikation, Luft- und Raumfahrttechnik sowie für die Industriefertigung an, Lantiq Access- und Home-Networking-Technologien.