Biologische Vielfalt

Deutschlands Kommunen wollen verstärkt handeln - auch Neubiberg ist dabei und stimmt für die Deklaration

 

Das Jahr 2010 wurde durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt" erklärt. Damit sollen die Bedeutung der biologischen Vielfalt sowie die Folgen ihres Verlustes – auch für das menschliche Wohlergehen und die globale wirtschaftliche Entwicklung – stärker in das politische und öffentliche Bewusstsein rücken.

 

Bereits 1992 wurde von der UN-Konferenz für Umwelt- und Entwicklung in Rio de Janeiro das „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“ verabschiedet. Seine übergeordneten Ziele sind die Erhaltung biologischer Vielfalt, eine nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und die gerechte Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung genetischer Ressourcen. Damit wird deutlich, dass es kein reines Natur- oder Artenschutzabkommen ist; grundlegender Ansatz ist vielmehr, dass Schutz und Nutzung der biologischen Vielfalt stets aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Sicht betrachtet werden. Dabei soll die ökologische Tragfähigkeit Maßstab der ökonomischen und sozialen Entscheidung sein.

 

Die biologische Vielfalt – oder Biodiversität – ist die Vielfalt der Ökosysteme (Lebensräume), der Arten und der Gene innerhalb einzelner Arten. Sie ist eine existenzielle Grundlage für das menschliche Leben. Es sind nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische, soziale und kulturelle und nicht zuletzt ethische Aspekte, die den Erhalt der biologischen Vielfalt zwingend notwendig machen.

 

Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“

 

In Deutschland wurde 2007 die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ beschlossen. Sie ist ein gesamtgesellschaftliches Programm und enthält rund 330 Ziele und rund 430 Maßnahmen zu allen biodiversitätsrelevanten Themen. Um zu gewährleisten, dass alle gesellschaftlichen Gruppen in die Umsetzung dieser Strategie einbezogen werden, hat die Bundesregierung unmittelbar nach deren Verabschiedung einen dialogorientierten Umsetzungsprozess gestartet. Bausteine dieses Prozesses sind unter anderem akteursbezogene Dialogforen wie beispielsweise „Wissenschaft und Forschung“ oder auch „Sport und Tourismus“.

 

Beim Dialogforum „Biologische Vielfalt in Kommunen“, das im Februar 2010 stattfand, diskutierten Vertreter von 30 Gemeinden, der kommunalen Spitzenverbänden, des Bundesamtes für Naturschutz sowie der Deutschen Umwelthilfe, wie die Städte und Gemeinden ihren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt verbessern können. Die Ergebnisse dieser Diskussion fanden Eingang in eine Deklaration, mit der die unterzeichnenden Kommunen ihren Willen bekunden, sich für die biologische Vielfalt in Deutschland einzusetzen.

 

Die Deklaration besteht aus einer Präambel, die die Hintergründe der Bedrohung der biologischen Vielfalt darstellt und die Möglichkeiten der Kommunen zu ihrer Erhaltung aufzeigt. Daran schließt sich eine grundsätzliche Willensbekundung für den Erhalt der biologischen Vielfalt auf kommunaler Ebene an. Konkrete Handlungsansätze und Maßnahmenvorschläge – von denen hier einige beispielhaft angeführt sind – werden für verschiedene Themengebiete aufgeführt:

 

Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich

  • Entwicklung intelligenter städtebaulicher Konzepte mit angemessener Siedlungsdichte und wohnumfeldnaher Begrünung
  • Festlegungen zur Begrenzung des Siedlungsflächenwachstums, Boden- und Freiraumschutz durch kommunales und interkommunales Flächenmanagement, Reaktivierung von Brachflächen unter Berücksichtigung ihrer naturschutzfachlichen Bedeutung zur Begrenzung des Siedlungswachstums auf „der grünen Wiese“
  • Naturnahe Pflege öffentlicher Grünflächen

 

Arten- und Biotopschutz

  • Mitarbeit beim Ausbau von Biotopverbundsystemen und Schutzgebietsnetzen
  • Schutz ökologisch sensibler Gebiete
  • Verbesserung bestehender Gewässermorphologie

 

Nachhaltige Nutzung

  • Förderung umweltverträglicher Formen der kommunalen Forstwirtschaft
  • Entwicklung von Konzepten zur nachhaltigen Nutzung nachwachsender Rohstoffe (zum Beispiel Energieholz) auf regionaler Ebene
  • Schutz von Gewässern vor schädlichen stofflichen Einträgen

 

Bewusstseinsbildung und Kooperation

  • Unterstützung von kommunalen Nachhaltigkeitsprozessen und Beteiligung der Bürger an Maßnahmen zum Natur- und Klimaschutz
  • Verstärkung der Bildungsarbeit und des Informationsangebotes zur biologischen Vielfalt vor Ort
  • Verstärkte Ausrichtung der Kommunen auf die interkommunale Zusammenarbeit zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung biologischer Vielfalt in der Region

 

Bestandteil der Deklaration ist ebenso die Absichtserklärung, sich in einem Bündnis für biologische Vielfalt zusammenzuschließen. Es soll den Städten und Gemeinden die Chance eröffnen, durch Erfahrungsaustausch und Kooperation entscheidende Schritte in Richtung der Erhaltung der biologischen Vielfalt zu gehen.

 

Neubiberg stimmt für die Deklaration

 

Die Deklaration wurde mit Nennung aller unterzeichnenden Städte und Gemeinden am Samstag, 22. Mai 2010 – dem Internationalen Tag der biologischen Vielfalt – öffentlich bekannt gegeben. Auch die Gemeinde Neubiberg wird aufgeführt, denn der Gemeinderat hat sich einen Monat davor zu den Zielen der Deklaration bekannt und den Ersten Bürgermeister zur Unterzeichnung ermächtigt.

 

Den vollständigen Text der Deklaration findet man auf der Internetseite des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Weiterführende Informationen zum Thema „Biodiversität und biologische Vielfalt“ gibt es auch auf den Internetseiten des Bundesamtes für Naturschutz und des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit. Ebenso gibt es eine Übersicht aller Gemeinden, Städte und Landkreise, die bisher unterschrieben haben.