Energienutzung

Auf Herz und Nieren wurde das Gemeindegebiet Neubiberg in Bezug auf das Thema Energie geprüft. Gemeinsam mit sechs südöstlichen Landkreisgemeinden - unter anderem Neubiberg - entwickelte der Lehrstuhl für Bauklimatik und Haustechnik der Technischen Universität (TU) München ein zukunftsweisendes Konzept für kommunalen Klimaschutz.

 

Etwas mehr als zwei Jahre haben die Forscher der TU München vorhandene Energieinfrastrukturen in Aying, Hohenbrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Neubiberg, Ottobrunn und Putzbrunn erfasst, den Strom- und Wärmebedarf einzelner Gebiete in Raster aufgeteilt und mögliche Potenziale in der Energienutzung abgeschätzt. Wichtig war den Forschern darüber hinaus, Zukunftsszenarien zu betrachten. Deshalb haben sie künftige Veränderungen bei den Wärmeverbrauchsmengen in Neubiberg anhand von abschätzbaren Entwicklungen, wie zum Beispiel Sanierungs- und Gebäudeeinsparmaßnahmen, für einen Zeitraum von 20 Jahren in ihre Überlegungen miteinfließen lassen.

 

Forschungsprojekt schließt mit einem Energienutzungsplan ab

 

Herausgekommen ist nun ein sogenannter „Energienutzungsplan“. Er stellt die Basis für ein von der Gemeinde noch zu entwickelndes, ganzheitliches Konzept für die energetische Entwicklung ihres Gemeindegebietes dar. Für Neubiberg wurde ein Gesamtwärmebedarf von 158.000 MWh/a ermittelt. Die nachfolgenden Zeilen geben Auskunft über die energetischen Potenziale zur Wärmegewinnung, die auf dem Gemeindegebiet zur Verfügung stehen. So haben die Forscher der TU München alle zur Solarenergienutzung in Frage kommenden Dachflächen für das Solarpotenzial der Gemeinde berücksichtigt. Für das Konzept wurde folgendes Nutzungsszenario angenommen: 25 Prozent des gesamten Wärmebedarfs in Neubiberg soll durch den Einsatz von Solarthermie auf Dachflächen gedeckt werden. Das sind 39.500 Megawattstunden pro Jahr. Die restlichen Dachflächen nutzen in diesem Szenario die Sonne zur Stromerzeugung.

 

Potenzial

  • Tiefengeothermie (Wärme): nicht vorhanden
  • 25 Prozent des Wärmebedarfs (Solar): 39.500 MWh/a
  • Energieholz Wald gesamt (Wärme): nicht relevant
  • Biogas (10 Prozent - LWF-Szenario) (Wärme): nicht relevant
  • Abwasser (Wärme): unbekannt
  • Oberflächennahe Geothermie (Wärme): unbekannt
  • Aktueller Gesamtstrombedarf (100 Prozent): 60.900 MWh/a
  • Photovoltaik verbleibend nach Abzug von Solarthermie (42 Prozent): 25.900 MWh/a
  • Biogas (10 Prozent - LWF-Szenario) (Strom): nicht relevant
  • Wind (Strom): nicht relevant

Die Daten wurden im Rahmen eines Forschungsprojektes ermittelt. Für die Richtigkeit der Daten besteht keine Gewähr.

 

 

Wegen der geringen Größe geeigneter Flächen im Gemeindegebiet kann das landwirtschaftliche Potenzial (Biogas) vernachlässigt werden. Ähnlich verhält es sich mit Neubibergs Waldflächen. Als Erholungs- und Klimaschutzwald leisten sie keinen Beitrag zur energetischen Versorgung der Kommune. Trotz einer grundsätzlichen Eignung für Abwasserwärmenutzung in Neubiberg haben die Forscher der TU München die Potenziale für dessen Nutzung nicht ausführlich berechnet, weil sie im geplanten Projektumfang keine Detailuntersuchungen vorgesehen hatten. Ähnliches gilt für den Einsatz oberflächennaher Geothermiequellen.

 

Strombedarf könnte durch Fotovoltaikanlagen gedeckt werden

 

Den gesamten Strombedarf auf dem Gebiet der Gemeinde Neubiberg weisen die Mitarbeiter der TU München im unteren Drittel der Tabelle mit 60.900 Megawattstunden pro Jahr aus. Zum Vergleich: Wenn in 1.000 Haushalten jeweils für eine Stunde ein Staubsauger zum Einsatz kommt, wird insgesamt etwa eine Megawattstunde an Strom verbraucht. Davon können nach den Berechnungen des Forschungsprojekts etwa 25.900 Megawattstunden pro Jahr mit auf Dachflächen installierten Fotovoltaikanlagen gedeckt werden. Für die Stromerzeugung durch Windkraft in Neubiberg konnten keine passenden Standorte ausgemacht werden, denn als Sicherheitsentfernung müssen 500 Meter zu bereits vorhandenen Gebäuden eingehalten werden, was im dichtbesiedelten Neubiberg nirgends der Fall ist.

 

Wärmenetze aufbauen

 

 

Dieser Ortskarte gibt eine kompakte Übersicht der Forschungsergebnisse für Neubiberg.Abb.: Technische Universität München

 

Der erste Blick auf die obige Karte verrät, dass ein großer Teil von Neubiberg überwiegend orange eingefärbte Gebiete aufweist. Diese Felder eignen sich nach den Erkenntnissen der TU München besonders für die Realisierung von zentralen, kollektiven Wärmeversorgungsanlagen, die mit Wärmenetzen arbeiten und auf diese Weise imstande sind, mehrere Gebäude von einer Heizzentrale aus zu versorgen.

 

Die Identifizierung von sogenannten „Keimzellen“ hilft beim Aufbau dieser Wärmenetze. Keimzellen können zum einen bereits vorhandene Wärmenetze sein, die erweitert werden, um so mehr Nutzer zu versorgen. Es ist ebenfalls denkbar, über kommunale Gebäude wie zum Beispiel Schulen und Kindergärten weitere Wärmekonsumenten in der unmittelbaren Umgebung mitversorgen zu lassen. Anlass dafür kann beispielsweise eine Erneuerung der Wärmeversorgungsanlage eines kommunalen Gebäudes sein. Entsprechend größer dimensioniert, versorgt sie dann mehr als nur das eigene Bauwerk mit Energie.

 

Die Universität benötigt viel Energie

 

Wegen des aktuell hohen Energiebedarfs der Universität der Bundeswehr befindet sich dieser Teil Neubibergs auf der Prioritätenliste für den Aufbau eines Wärmenetzes ganz weit oben (in der Karte rot markiert). Erste Schritte zur Optimierung hat die Universität mit einem neuen Versorgungsvertrag mit der E.ON Bayern Wärme GmbH Anfang Februar 2011 getroffen, wonach die Hochschule künftig zu 97 Prozent regenerative Energien beziehen wird. Dadurch wird sich ab sofort die Umweltbilanz wesentlich verbessern.

 

Auf der Karte mit dunkelblauer Farbe hervorgehoben sind Gemeindebereiche, für die langfristig eher mit einer geringeren Wärmebedarfsdichte (= verbrauchte Energie für Wärmeerzeugung) nach dem 20-Jahre-Zukunftsszenario zu rechnen ist. Für diese Gebiete sind den Forschungsergebnissen zufolge individuelle und damit dezentrale Wärmeversorgungslösungen besser geeignet. In Verbindung damit ist es lohnenswert, das Potenzial energetischer Gebäudesanierungen genauer zu untersuchen.

 

Als zu empfehlende Versorgungsvariante nennen die Mitarbeiter der TU München den Einsatz von Grundwasserwärmenutzung. Diese Möglichkeit ist grundsätzlich im gesamten Gemeindegebiet vorhanden und sollte in Kombination mit einem Niedertemperaturheizsystem (Flächenheizungen) für Gebäude zum Einsatz kommen.

 

Nachverdichtung mitberücksichtigt

 

Bei der Bearbeitung des Energienutzungsplans wurden ebenfalls die Daten vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München berücksichtigt. Dieser hatte im Auftrag der Gemeinde ein Nachverdichtungskonzept entwickelt, um die bauliche Entwicklung in Neubiberg abschätzen und steuern zu können. Durch das Einflechten dieser Informationen in das Forschungsprojekt war es möglich, Gebiete in Neubiberg zu bündeln, die aktuell für einen zentralen, kollektiven Energieversorgungsansatz stellenweise einen zu geringen Wärmebedarf aufweisen. Solche Flächen könnten bei Nachverdichtung und dem damit verbundenen höheren Wärmebedarf für eine zentrale, kollektive Versorgung in Frage kommen (in der Karte braun hervorgehoben).

 

Für die grün-blau hervorgehobenen Gebiete besteht aufgrund ihrer bereits vorhandenen Energieversorgung, wie beispielsweise Fernwärme, Nahwärmenetz und größerer regenerativer Anlagen oder Wärmepumpen, aktuell kein Handlungsbedarf.

 

Die gelb eingefärbten Flächen weisen die beiden Neubaugebiete aus, die mit Gas zur Wärmeerzeugung beliefert werden. Für eine Weiterentwicklung in diesen Abschnitten denken die Mitarbeiter des Forschungsvorhabens an zentrale oder individuelle Blockheizkraftwerklösungen und den Einsatz von Solarthermie-Anlagen.

 

Abwasserwärme nutzen

 

Eine weitere Chance für eine umweltfreundliche Energieversorgung in Neubiberg sehen die Forscher in der Abwasserwärmenutzung. Hellblaue Linien in der Übersichtskarte zeigen Strecken des Abwassernetzes an, die sich für diese Art der Versorgung aufgrund ihres ausreichend großen Leitungsrohrquerschnitts grundsätzlich eignen. Für Gebiete, die hier unmittelbar angrenzen, kann über eine Nutzung von Abwasserwärme nachgedacht werden.

 

In Deutschland entfällt knapp ein Drittel des Energieverbrauchs auf die Bereitstellung von Wärme in Gebäuden. Wenn man insgesamt Energie einsparen und Klimaschutz betreiben möchte, liegt es auf der Hand, dass die Gebäudeoptimierung einen wesentlichen Teil dazu beitragen kann.

 

Der durch die Forscher der TU München erstellte Energienutzungsplan hilft der Gemeinde Neubiberg, vorhandenes Potenzial bei der Energienutzung zu erkennen und Planungsziele für einen aktiven kommunalen Klimaschutz zu setzen.