Radverkehr

Die Gemeinde Neubiberg möchte die Attraktivität ihres Radverkehrs deutlich und dauerhaft steigern. Darum hat der Gemeinderat im August 2012 beschlossen, ein Radverkehrskonzept ausarbeiten zu lassen. Ein Ziel, das wiederum ein wichtiger Baustein ist, um die Klimaschutzziele der Gemeinde Neubiberg zu erreichen.  

 

In der Gemeinderatssitzung am 28. Januar 2014 stellte das beauftragte Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen einen ausführlichen Abschlussbericht vor. Entsprechend dieser Empfehlung sollen für den Fahrradverkehr in den kommenden Jahren flächendeckend attraktive Rahmenbedingungen geschaffen werden. Besonders der Alltagsradverkehr soll gefördert werden. Dazu soll vor allem die Infrastruktur verbessert werden. Vordringliches Ziel wird es daher sein, den Bestand an Radverkehrsanlagen entsprechend den heutigen Anforderungen der Straßenverkehrstechnik zu verbessern und darüber hinaus im Rahmen einer Angebotsplanung weitere Potentiale für den Fahrradverkehr zu erschließen.  

 

Ein Leitbild als Verpflichtung  

 

Mit einem Leitbild werden sämtliche Planungen und Maßnahmen in das Gesamtkonzept der nachhaltigen Entwicklung der Gemeinde eingeordnet sowie die Zielsetzungen und Absichten des Radverkehrskonzepts konkretisiert und veranschaulicht. Es enthält sechs Ziele und fünf Handlungspunkte, um den Radverkehr zu fördern. Als messbares Ergebnis aller Maßnahmen sollen mehr als ein Viertel aller Wege bis zum Jahr 2020 mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.  

 

Gutachten: Vorbildliche Ansätze mit großem Potenzial  

 

Ausgangspunkt war eine umfassende Bestandserhebung:

  • Infrastrukturelemente wie vorhandene Radverkehrsanlagen, -netze und -routen sowie Serviceangebote wie Fahrradabstellanlagen, Bike & Ride-Offerten und die Möglichkeit der Fahrradmitnahme im ÖPNV wurden analysiert.
  • Informations- und Kommunikationselemente wurden bewertet, zu denen beispielsweise die Bereitstellung der klassischen Fahrradkarte, die Informationsvermittlung mittels elektronischer Medien oder das Angebot an Mitmachaktionen gehören.
  • Eine differenzierte Unfallanalyse wurde gemacht. Diese Ergebnisse sind ebenfalls in die Planungsprioritäten eingeflossen.
  • Die Resultate der Bürgerbefragung von 2013 (siehe Nanu 2/13) wurden berücksichtigt.

Das Gutachten kommt zu dem Schluss: „Die Gemeinde Neubiberg verfolgt bereits intensive Bestrebungen zur Förderung des Radverkehrs. Die vorhandene Infrastruktur ist aufgrund der Vielzahl an Tempo 30-Zonen und verkehrsberuhigten Bereichen vorbildlich. In allen vier Säulen der Radverkehrsförderung sind wichtige Grundstrukturen und bedeutende Potenziale zu erkennen, die es zukünftig hin zu einem hochwertigen System der Radverkehrsförderung zu entwickeln gilt."  

 

Mängel müssen beseitigt werden  

 

Ein zentraler Bestandteil der Netzplanung ist die Erfassung der Mängel am Bestand der Radverkehrsanlagen nach der Straßenverkehrsordnung, weil nicht nur die Quantität des Bestandes, sondern auch die Qualität ein wesentliches Merkmal für seine mögliche Integration in das Radverkehrsnetz darstellt. Hierbei wurden neben Sicherheitsmängeln auch Beschilderungs- und Komfortmängel erfasst.

 

Wiederkehrende Sicherheitsmängel in Neubiberg sind beispielsweise

  • zu geringe Breite bei gemeinsamen Fuß-/ Radwegen,
  • fehlende Querungshilfen und
  • fehlende Überleitungen zwischen Straße und Radverkehrsanlage.

Auch Bereiche mit erhöhtem Konfliktpotenzial zwischen den Verkehrsteilnehmern wegen sich überlagernder Nutzungen (zum Beispiel der Hauptgeschäftsbereich in der Hauptstraße) stellen bedeutende Sicherheitsmängel dar.

 

Das Gutachten führt hierzu aus: „Grundsätzlich besteht in Neubiberg ein Netz an sicheren und komfortablen Radverkehrsrouten. Gleichwohl weisen insbesondere die zentralen Elemente des Radverkehrsnetzes, allen voran die Hauptstraße, die Cramer-Klett-Straße und die Unterhachinger Straße Netzlücken und Mängel auf, die es zur Gestaltung eines hochwertigen Radverkehrsnetzes dringend zu beheben gilt.“  

 

Priorisierung ist notwendig  

 

Die gesamte Netzplanung kann nicht innerhalb eines kurzen Zeitraums umgesetzt werden. Daher war die Priorisierung von ersten Maßnahmen notwendig, die kurzfristig möglichst weite Teile der Gemeinde Neubiberg fahrradfreundlich erschließen, Unfallschwerpunkte entschärfen und Bereiche mit einem hohen Verkehrsaustausch prioritär behandeln. Bei der Erarbeitung des Maßnahmenkonzepts wurde zwischen Maßnahmen mit hohem Realisierungsdruck (kurzfristige Maßnahmen) sowie mittel- und langfristigen Maßnahmen unterschieden.

 

Maßnahmen mit Priorität

 

Als Maßnahmen mit hohem Realisierungsdruck wurden Routenabschnitte definiert, die eine besondere Bedeutung für die fahrradfreundliche Erschließung besitzen. Dies gilt für Streckenabschnitte mit fehlender oder mangelhafter Radverkehrssicherung, die der Verbindung beider Ortsteile oder der Schulwegsicherung dienen, die besondere Alltagsfunktion besitzen oder vermehrt Unfälle mit Radfahrern aufweisen.

 

Das Gutachten sieht kurzfristiges Handlungserfordernis bei sechs Abschnitten, darunter die Hauptstraße zwischen Floriansanger und Cramer-Klett-Straße, die Cramer-Klett-Straße und den Bahnhofsplatz.

 

Mittelfristig geplante Maßnahmen

 

Als mittelfristig wurden Maßnahmen für Streckenabschnitte definiert, auf denen bereits eine Radverkehrssicherung erfolgt oder Abschnitte mit sicherheitsrelevanten Mängeln, deren Netzbedeutung aber unter Umständen nachgeordnet ist. Auch Netzlücken, deren Schließung einen erhöhten planerischen oder finanziellen Aufwand bedeuten, wurden dieser Kategorie zugeordnet.

 

Langfristig geplante Maßnahmen

 

Langfristige Maßnahmen stellen eine bedeutende Ergänzung für das Radverkehrsnetz der Gemeinde dar, ihre Umsetzung kann aber derzeit weder im Hinblick auf Kosten noch auf eine zeitliche Realisierung abgeschätzt werden.

 

Service, Information, Kommunikation

 

Neben sicher und komfortabel zu befahrenden Radverkehrsanlagen ist die Ausstattung der Fahrradrouten mit ergänzenden Infrastrukturelementen eine wesentliche Komponente, weil sie die Fahrradfreundlichkeit des Wegeangebotes deutlich verbessert. Das Gutachten schlägt unter anderem Art und Anzahl von Fahrradabstellanlagen sowie deren Standorte vor und gibt Hinweise für den Aufbau einer übersichtlichen und schnell verständlichen Wegweisung. Ebenso finden sich Tipps zu zielgruppenspezifischen Aktionsmöglichkeiten, die zur Mobilitätsbildung und -erziehung beitragen.