Neuigkeit

Smarte Bürgerbeteiligung "per Klick"


"Tinder für Bürgerbeteiligung", mit diesem Titel hat das alternative Wirtschaftsmagazin "Brand Eins" einen Beitrag aus 2020 über die App namens democy versehen. Neue Bekanntschaften, so wie es über das Online-Dating-Portal Tinder der Fall ist, werden über die democy-App, die in Neubiberg im Oktober an den Start gegangen ist, wohl nicht geschlossen werden. Vielmehr dient sie dazu, schnell und einfach per Smartphone seine Meinung sowohl über bundespolitische als auch über kommunale Themen zu äußern. Konkret können Neubibergs Bürgerinnen und Bürger ab sofort über politische und gesellschaftliche Thesen der Gemeinde Neubiberg abstimmen. Die Gemeinde erhält im Gegenzug sogleich ein Stimmungsbild zu bestimmten Themen, welche ihre Bürgerinnen und Bürger vor Ort bewegen.

Was genau es mit der App auf sich hat, das erläuterte Neubibergs Erster Bürgermeister Thomas Pardeller auf der im Herbst alljährlich stattfindenden Bürgerversammlungen in Neubiberg.

"Mit unserer neuen App schaffen wir eine zusätzliche Beteiligungsmöglichkeit für unsere Bürgerinnen und Bürger. Die App ist ein niedrigschwelliges und zugleich ein zeitgemäßes Angebot, sich mit unseren aktuellen Themen auseinanderzusetzen. Dadurch können wir Menschen erreichen, die wir mit unseren bisherigen Formaten, wie der Bürgerversammlung oder unseren Sprechstunden, nicht ansprechen."

Auf der Bürgerversammlung lud Bürgermeister Thomas Pardeller alle anwesenden Bürgerinnen und Bürger sowie die, die sich per Live-Stream zugeschaltet hatten, ein, sich die kostenfreie App auf ihrem Smartphone zu installieren und die von der Verwaltung ausgearbeiteten Thesen durchzugehen. Die Abstimmung zu den Thesen ist komplett anonym, im Vorfeld bedarf es lediglich einer Angabe von Postleitzahl, Alter und Geschlecht.

democy-App als sinnvolle Ergänzung

"Die Radinfrastruktur soll weiter aktiv ausgebaut werden." Oder: "Die Gemeinde soll den Artenschutz durch Blühflächen stärken." Oder: "In der Gemeinde sollen mehr Verkehrskontrollen durchgeführt werden." – Diese und weitere Thesen werden in der Neubiberger Version der democy-App zur Abstimmung stehen. Wichtig dabei ist, dass die digitale Möglichkeit der Beteiligung, alle bestehenden und sich bewährten Formate der Mitgestaltung nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt.

Neue, vielleicht technikinteressierte Zielgruppen können erschlossen und für gemeindliche Themen begeistert sowie zum Mitmachen motiviert werden.

Komplexe Sachverhalte einfach erfassen

Hinter der App bzw. der Entwicklung der Thesen, die in die App eingespeist werden, steht ein Team von rund zehn Verwaltungsmitarbeiterinnen, bunt zusammengesetzt aus allen Ämtern der Gemeinde. Anfang September fanden inhaltliche Workshop zur Thesenerstellung statt. Unterstützt wurden die Beschäftigten dabei vom Gründer der democy-App Julius Klingenmaier und seiner Kollegin Nadiia Savchenko. In den Workshops erarbeiteten alle Beteiligten passende Fragestellungen, was mitunter einer Herausforderung glich. Denn manche Sachverhalte gestalten sich sehr komplex und lassen sich nur schwer auf eine These mit zwei bzw. drei Antwortoptionen herunterbrechen. Dennoch: Das Ergebnis kann sich sehen lassen und in der App stehen nun zehn Thesen, die unterschiedliche Themenbereiche abdecken, zur Abstimmung bereit.

Der initiale Startschuss für die App reicht noch ein Stück weiter zurück: Im Frühjahr brachte die Fraktion der Freien Wähler N@U im Gemeinderat einen Antrag ein, eine App für mehr Bürgerbeteiligung zu prüfen. Dieser wurde wohlwollend vom gesamten Gremium aufgefasst und die Verwaltung lotete sodann Möglichkeiten aus, welche Lösungen einer dezentralen und einfachen Beteiligung für Neubiberg passend sind. Die Entscheidung fiel dabei auf das bayerische Start-up democy UC, welches bereits Erfahrungen in der Arbeit mit Kommunen mitbringt.

Regelmäßige Abstimmungen, transparente Ergebnisse

Künftig sollen Bürgerinnen und Bürger in regelmäßigen Abständen über Fragestellungen aus der Gemeindeverwaltung abstimmen können, über ein ganzes Jahr hinweg. Die Gemeinde speist immer wieder neue Thesen in die App ein. Parallel dazu werden erste Abstimmungsergebnisse veröffentlicht werden. Die Antworten dienen als eine Art "Stimmungsbarometer", sie zeichnen ein aktuelles Meinungsbild und stellen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger heraus. All das kann eine Grundlage für das weitere Vorgehen der Verwaltung bilden. Denn die Abstimmungsergebnisse werden wieder zurück ins Rathaus gespiegelt, wo Überlegungen angestellt werden, wie weiter vorgegangen werden kann.

Mehr Interesse für Politik

Neue Bekanntschaften hin oder her, ein unweigerlicher Effekt der Neubiberger democy-App wird sein, dass sich Bürgerinnen und Bürger für Fragestellungen in ihrer Heimatgemeinde und dem direkten Umfeld auseinandersetzen. Bürgermeister Thomas Pardeller bekräftigt:

"Wir möchten für unsere Themen in Neubiberg sensibilisieren und das Interesse für Kommunalpolitik und deren Zusammenhänge wecken. Es zeigt sich, dass vor allem auf lokaler Ebene Dinge erfolgreich angepackt und schnell umgesetzt werden können. Umso wichtiger ist es zu wissen, was unsere Bürgerinnen und Bürger beschäftigt – all das können sie uns über ab sofort die democy-App mittteilen."

Was ist democy?

democy UG ist ein Start-up aus Bayern, das eine App zur mobilen Bürgerbeteiligung "per Klick" entwickelt hat. Mit der democy-App hat jede*r die Möglichkeit, schnell und einfach die eigene Meinung zu politisch relevanten Themen auf bundesweiter und kommunaler Ebene zu äußern.

Gemeinden können somit die Bürger*innen in jede Projektphase einbinden und somit die Nachhaltigkeit politischer Maßnahmen sichern.

democy ist ein unabhängiges Projekt und unterstützt keine politische Partei. Aktuell wird die Lösung u.a. vom Bundesministerium des Innern in der Region Würzburg gefördert.

So funktioniert democy

  • Laden Sie die democy-App unter dem Suchwort "democy" oder durch Einscannen des QR-Codes im App Store oder Google Play Store gratis herunter.QR Code für die democy-App
  • Geben Sie bei der Anmeldung die Neubiberger Postleitzahl, Ihr Geschlecht und Geburtsjahr an. Der Rest bleibt anonym.
  • Anschließend werden Sie – soweit verfügbar – die Thesen aus Ihrer Gemeinde angezeigt.
  • Sie stimmen mit einem Klick auf "Stimme dafür", "Stimme dagegen" oder "Keine Meinung" zu den lokalen Themen ab. Über "Schieben" können Sie die Frage überspringen und auf später schieben.
  • Nachdem Sie Ihre Meinung abgegeben haben, sehen Sie, wie Ihre Mitbürger*innen abgestimmt haben.
  • Das democy-Team wertet die Abstimmungsergebnisse aus und gibt sie so ungefiltert an die Gemeinde weiter.
  • Lust auf mehr? Die aktuellen bundesweiten Thesen aus verschiedenen Kategorien wie Außenpolitik, Umwelt oder Gesundheit sind unter "Offene Thesen" verfügbar.
  • Unter "These einreichen" können Sie eigene Maßnahmenvorschläge einreichen, die in die Zuständigkeit der Gemeinde fallen. Sie werden zusätzlich auf Neutralität und Sachlichkeit überprüft, ggf. angepasst und in die App zur Abstimmung gestellt.


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